Grüne KandidatInnen für die Kommunalwahl: Susanne Cott, Platz 2


51 Jahre alt, Bürokauffrau. Seit zwei Legislaturperioden in der Büdinger Stadtverordnetenversammlung, zuletzt im Bau-, Planungs- und Umwelt-Ausschuss und dem Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft.

Mit den Folgen politischer Entscheidungen musste ich mich als Schülerin zum ersten Mal ganz persönlich auseinandersetzen. Damals wohnte ich in Baden-Württemberg, 12 km vom berühmt-berüchtigten Pannen-AKW Philippsburg entfernt. Von den Pannen (die schon in der Bauzeit begannen) erfuhr man in einer Zeit ohne Internet nur unter der Hand. Die Zeitungen oder andere Medien berichteten nicht darüber.

Einer unserer Lehrer wohnte in direkter Nähe des Meilers. Auf die Frage eines Mitschülers, ob er denn keine Angst habe, direkt dort zu wohnen, antwortete er mit einem zynischen Grinsen: „Nein. Wenn das Ding hochgeht, bin ich sofort tot. Ihr müsst noch zwei Stunden leiden.“ Dieser Satz begleitet mich nun seit 35 Jahren. Dieses Ich-kann-ja-doch-nichts-tun-Gefühl, das Menschen dazu bringt, einfach alles hinzunehmen. Wie das AKW direkt vor der Haustür.

Wenige Monate später, im April 1986, kam es zur Nuklearkatastrophe in Tschernobyl, mit all den Auswirkungen, die wir auch in Deutschland zu spüren bekamen. Aber Russland war ja so weit weg und bei uns könnte so etwas nie passieren – hieß es. Mittlerweile wissen wir, dass es auch in deutschen AKW mehrere Male Störfälle gab, die zu einer Kernschmelze hätten führen können. Nicht nur im Pannen-AKW Philippsburg. Wir haben einfach Glück gehabt. Doch es dauerte bis zur von Fukushima im März 2011, bis der Widerstand in der Bevölkerung so groß wurde, dass in der Politik ein Umdenken stattfand.

Politik als Mittel gegen das Ich-kann-ja-doch-nichts-tun-Gefühl

Stadtverordnete beschäftigen sich mit allen möglichen kommunalen Themen, von A wie Abwasser bis Z wie Zweckverband. Doch natürlich hat jeder Aufgaben, die ihm oder ihr besonders am Herzen liegen. Für mich ist es der Naturschutz – und hier besonders das Thema Wasser.

Dass sauberes Wasser unser wertvollstes Gut ist, wird immer mehr Menschen bewusst, auch in Deutschland, wo uns sauberes Wasser in den letzten Jahrzehnten doch scheinbar unbegrenzt zur Verfügung stand. Und doch werden Grundwasser und Fließgewässer weiter verschmutzt, ohne dass es zu einem großflächigen Aufschrei aus der Bevölkerung kommt. Ein Beispiel: Auf kleiner Teilstrecke wurde der Seemenbach renaturiert, kurz darauf fließt er wie ein Abwasserkanal in einem betonierten Bett durch eine tote Landschaft. Retentionsflächen, u. a. in den Auen, werden zugebaut. Was muss passieren, damit hier ein Umdenken stattfindet?

Das Hochwasser 2021

Die Folgen des Klimawandels spüren wir mit jedem Jahr stärker. Genau wie die Risiken, die von AKW ausgehen, ist die Veränderung des Klimas seit den 1970er Jahren bekannt. Wir hatten 50 Jahre Zeit, unser Verhalten zu verändern.

Das Hochwasser 2003 hätte ein Weckruf sein sollen. Doch statt die vernachlässigten Schutzeinrichtungen wie Hainmauer und Wehre instand zu setzen, warteten die Verantwortlichen auf eine Mauer, die bis heute nicht steht. Statt neue Schutzkonzepte zumindest in Betracht zu ziehen, setzen sie weiter auf Maßnahmen mit einem Denken aus den 70er Jahren. Statt den Bächen mehr Raum zu geben, wurden sie weiter eingeengt und Retentionsflächen versiegelt. Die Folgen kennen wir: weniger Grundwasser-Neubildung und häufigere, immer stärkere Hochwasser.

Musste es auch hier erst zu einer Katastrophe kommen, die wir alle ganz direkt, ganz persönlich, am eigenen Leib spüren, damit es zu einer Änderung kommt? Was muss noch passieren, damit auch der Letzte erkennt, dass Hochwasser nicht erst im Hammertal entsteht und auch nicht erst dort bekämpft werden muss?!

Es gibt Mittel gegen das Ich-kann-ja-doch-nichts-tun-Gefühl. Wir können unsere Stimme erheben, auf der Straße, in der Zeitung, in den Sozialen Medien. Doch als Stadtverordnete brauchen wir Ihre/Deine Stimme, damit wir Dinge verändern können, und sei es auf der kleinsten Ebene, auf der kommunalen. Kleine Dinge, aber so wichtig.