Zum Artikel „FDP wehrt sich gegen mögliche Windräder im Büdinger Wald“ im Kreis-Anzeiger vom 28.01.2021

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, heißt es. Zu ihrem Artikel hat die Büdinger FDP eine Fotomontage geliefert, auf der 16 Windkraftanlagen im Wald hinter der Kernstadt zu sehen sind. Im eigentlichen Artikel erfährt man dann, dass bisher keine einzige Anlage geplant ist und schon gar nicht an dieser Stelle, doch möchte ich heute meinen Eindruck zu diesem Bild beschreiben, denn es ist wohl diese Fotomontage, die vielen Lesern im Gedächtnis bleiben wird.

So ist auf dem gezeigten Bild eine Windkraftanlage ca. 170 Meter vom Berghof und anderen bebauten Gebieten entfernt eingezeichnet. Es entsteht der Eindruck, dass den dortigen Bewohnern eine Anlage gewissermaßen in den Garten gestellt werden wird. Andere eingezeichnete Anlagen stehen in ca. 300 Metern Abstand zu den Häusern.

Wer sich in den letzten Jahren auch nur ein wenig mit dem Thema beschäftigt hat weiß, dass – zumindest in Hessen – der Bau einer Windkraftanlage an diesen Stellen überhaupt nicht genehmigungsfähig ist. In Hessen gilt ein Regelabstand von mindestens 1000 Metern vom Standort eines Rotors bis zur nächsten Wohnsiedlung. Nur bei kleinen Ansiedlungen mit wenigen Wohngebäuden kann dieser Abstand auf 600 Meter reduziert werden – diese Ausnahme ist hier aber nicht gegeben.

Daher ist diese angebliche „Visualisierung“ höchst unseriös und lediglich als Wahlkampfgeschrei einzuordnen. Der Kreis-Anzeiger nennt es „emotionalisieren“, ich nenne es Angstmacherei. Wenn man sich aber dieses wichtigen Themas annimmt, sollte man dabei bei den Fakten bleiben.

Und man sollte sich auch endlich vom Sankt-Florian-Prinzip verabschieden, von der Haltung „Erneuerbare Energien sind toll, aber baut die Windkraftanlagen bitte dort, wo ich sie nicht sehe!“ Den Strom daraus will man dann aber doch im eigenen Haus haben. Wo soll er bitte herkommen? Wie wäre es mit einer Müllverbrennungsanlage vor der eigenen Haustür? Oder einem Kohlekraftwerk? Wer Windkraft ablehnt, soll Alternativen dazu nennen. Und damit meine ich nicht die Solaranlagen in Afrika, die Dr. Roland Aßmann als Heilmittel für den gigantischen Energiebedarf Europas sieht, sondern echte Alternativvorschläge.

Einen solchen Eifer in Sachen Naturschutz aber, wie ihn die FDP hier an den Tag legt, wünschte ich mir von ihren Stadtverordneten einmal bei Themen wie Bodenvergiftung durch Dünge- und Pflanzenvernichtungsmittel, beim Einspruch gegen Vergrößerungen des Steinbruchs in Rinderbügen oder dem geplanten Bau einer Staumauer im Tal hinter dem Hammer, bei der Renaturierung des Düdelsheimer Beckens. Leider Fehlanzeige.

Susanne Cott