Geschichte zieht aus – Autos ziehen ein

Letzte Woche wurde mit dem Abriss der alten Militärregierung begonnen. Ist der beendet, wird das Gelände ausgehoben, die Grube wird verfüllt, planiert, asphaltiert und es entstehen Parkplätze für mindestens 25 Autos. Werktags werden sie an ein lokales Unternehmen vermietet, an den Wochenenden stehen sie vielleicht der Allgemeinheit gebührenpflichtig zur Verfügung.

Ohne jede Notwendigkeit wird ein stadtbildprägendes Gebäude abgerissen. Wieder wird ein Stück Büdinger Baugeschichte beseitigt und für immer verschwunden sein. Vielleicht wird irgendwann ein Schild von dem Gebäude erzählen. In ein paar Jahren wird man vielleicht merken, dass Bauwerke, die über 200 Jahre alt waren, als Zeugnisse  des 19. Jahrhunderts in Büdingen völlig fehlen. „Hier lebt Geschichte“ als Motto unserer Stadt entpuppt sich wieder einmal als Spott und Hohn. Büdingen hat mit dieser Entscheidung nichts gewonnen, aber ein Stück seiner Identität verloren.

Ein Parkplatz setzt keine großen Überlegungen und Abwägungen voraus. Ein Parkplatz wird doch immer gebraucht. Und Geld für 25 vermietete Parkplätze nimmt die Stadt auch ein. Wunderbar, welch Fortschritt in der Infrastruktur.

Was bisher geschah:

Im Jahre 2017 wurden Pläne für die zukünftige Nutzung des Gebäudes Mühltorstraße 5 gemacht. Der Ausschuss für Bau und Planung machte eine Ortsbesichtigung, zu der sogar Architekten geladen waren. Es wurde eine Konzeptionsgruppe „Alte Militärregierung“ gebildet, die ein Konzept zur zukünftigen Nutzung der Liegenschaft entwickeln und der Stadtverordnetenversammlung Vorschläge unterbreiten sollte. Der Eigentrieb Gebäudewirtschaft gab ein Bausubstanzgutachten in Auftrag.

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss, das Stabsgebäude auf dem ehemaligen Kasernenareal  zu verkaufen, mit der eindeutigen Maßgabe, dass der Verkaufserlös zweckgebunden zur späteren Sanierung eines Gebäudes verwendet würde, in dem dann Nutzungsmöglichkeiten für Kinder- und Jugendliche geschaffen werden sollten. In einem Bericht des Kreis-Anzeigers vom Juni 2017 befürworteten SPD und CDU die Planungen öffentlich und auch Bürgermeister Erich Spamer (FWG) sprach sich für einen Neubau aus.

Nach der Stellungnahme der beauftragten Planergruppe zu den Kosten einer Renovierung beschloss die Stadtverordnetenversammlung, das Gebäude abreißen zu lassen, um Platz für einen möglichen Neubau zu schaffen. Im Juli meldete sich Bürgermeister Erich Spamer wieder im Kreis-Anzeiger zu Wort: „Ein Neubau sollte nach Ansicht Erich Spamers den Bedarf des Bereichs Jugend, Kultur und Soziales (JKS) berücksichtigen und multifunktional sein.“

Im März 2018 gab es von Seiten der Büdinger Grünen Bedenken, da die Konzeptionsgruppe nicht vorankam und es auch keine Termine zu weiteren Sitzungen gab. Doch Christian Schaffrath (FWG), Sprecher der Konzeptionsgruppe, ließ im Kreis-Anzeiger verlauten: Die Errichtung eines Parkplatzes als Zwischenlösung habe keinen Einfluss auf die Gespräche… In die Überlegungen müsse auch der Ausbau des ehemaligen Kasernengeländes einfließen. Auch die Entwicklung des Wichtelhauses und der Grundschule zur Ganztagseinrichtung will die Konzeptionsgruppe im Auge behalten. "Das sind alles Dinge, die in der Stadt verteilt sind, aber thematisch zusammenhängen. Es macht Sinn, sie in die Überlegungen einfließen zu lassen." Es sei ein langfristiger Prozess.

Der „langfristige Prozess“ endete abrupt am einen Monat später.  Da war zu erfahren, dass der Erlös aus dem Verkauf des Stabsgebäudes zur Ablösung des Kassenkredites benutzt worden war und dort auch bleiben sollte. Gegen die Stimmen der Grünen beschloss die Konzeptionsgruppe, aus dem Gelände einen Parkplatz zu machen (der langfristige Mieter stand an diesem Tag bereits fest!) und die Gruppe aufzulösen.

Man habe ja schon immer gewusst (sic), dass die Stadt kein Geld für einen Neubau habe.