„Rasseliste“ abschaffen: Hunde nicht wegen ihrer Rasse gefährlich

In der letzten Stadtverordnetenversammlung beantragten die Büdinger Grünen, „Listenhunde“ steuerlich zukünftig nicht mehr allein aufgrund ihrer Rasse als gefährlich einzustufen. Der Antrag wurde zur Beratung in den Haupt- und Finanzausschuss überwiesen.

Die Hundesteuer für „gefährliche Hunde“ war vor etwas mehr als vier Jahren auf 700 € gesetzt worden, der normale Steuersatz für den ersten Hund beträgt 90 €. Gleichzeitig wurden alle Hunde der Hessischen Rasseliste ebenfalls mit dieser erhöhten Steuer veranschlagt, wenngleich die eine Einteilung in gefährliche und ungefährliche Hunde allein aufgrund der Rasse von Fachleuten bereits damals als nicht nachvollziehbar eingestuft wurde.

Die erhöhte Steuer für Hunde, die zum Beispiel durch Abrichtung mannscharf gemacht wurden oder in der Vergangenheit ohne begründeten Anlass Menschen oder Tiere gebissen haben, soll bestehen bleiben. Die Rasseliste aber soll ersatzlos gestrichen werden. Allein städtische Mehreinnahmen können kein Grund sein, Büdinger Hundehalter über den normalen Steuersatz hinaus zu belasten.

In Hessen werden die Auflagen für Hundehalter, insbesondere für gefährliche Hunde, in der „Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden (HundeVO)“ geregelt. Um einen gefährlichen Hund zu halten, benötigt man in Hessen immer eine Erlaubnis, die auf vier Jahre befristet ist. Eine unbefristete Erlaubnis ist nur möglich, wenn man für mehr als sieben Jahre (ohne zeitliche Unterbrechung) für denselben Hund eine Erlaubnis beantragt hat oder der Hund älter als zehn Jahre ist. Um für einen Listenhund überhaupt eine Haltungserlaubnis zu bekommen, muss dieser eine Wesensprüfung bestanden haben, der Halter seine Zuverlässigkeit und Befähigung (Sachkundenachweis) unter Beweis gestellt haben.

Dass Rasselisten unsinnig sind, ergibt sich schon aus der Tatsache, dass fast jedes Bundesland eine individuelle Liste führt. So ist ein und derselbe Hund mal angeblich „gefährlich“, mal „ungefährlich“ - je nachdem, in welchem Land er sich gerade aufhält. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es überhaupt keine Rasseliste, auch in Thüringen wurde sie im Februar 2018 abgeschafft.

Rasselisten werden von mehreren Institutionen abgelehnt, u.a. Bundestierärztekammer, Bundesverband Praktischer Tierärzte, Deutscher Tierschutzbund und Verband für das Deutsche Hundewesen. Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie unter https://de.wikipedia.org/wiki/Rasseliste, dort sind auch die Stellungnahmen dieser Institutionen verlinkt.

Leider wurden die Argumente der Fachleute, die jeden Tag mit Hunden verschiedenster Rassen zu tun haben, von politischen Entscheidungsträgern oft nicht berücksichtigt. Die Büdinger Grünen hoffen, dass die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses sich von den Begründungen dieser Hundekenner überzeugen lassen und in Büdingen zukünftig nur noch wirklich gefährliche Hunde höher besteuert werden, die unsinnige Rasseliste aber ersatzlos gestrichen wird.